Warum du auf eine Festbrennweite nicht verzichten solltest

Heute geht es darum, warum du auf eine Festbrennweite in deinem "Objektiv-Park" nicht verzichten solltest.

 

Eine Festbrennweite ist ein Objektiv mit nur einer fest eingestellten Brennweite. Das heißt, du kannst mit so einem Objektiv nicht "zoomen", also die Brennweite verändern.

 

Vielleicht frägst du dich jetzt, warum du eine solche Einschränkung in Kauf nehmen sollst. Das möchte ich dir in diesem Artikel erklären.

 

Bewusster fotografieren

Dadurch, dass du dich mit einem Festbrennweiten-Objektiv bewusst auf eine Brennweite beschränkst, kannst du dich wesentlich intensiver mit deren Bildwirkung auseinandersetzen.


Da du keinen Zoom einsetzen kannst, musst du mit den Füßen zoomen - sprich dich aktiv auf das Foto-Objekt zu oder davon weg bewegen musst. Diese Entschleunigung beim Fotografieren führt dazu, dass du dich bewusster mit deinem Foto-Objekt auseinander setzt.


Natürlich kann es durch diese Einschränkung auch vorkommen, dass du ein bestimmtes Bild nicht machen kannst, da du nicht nah genug ran oder weit genug weg kommst. Aber gerade solche Hemmnisse führen dazu, dass du überlegen musst, wie du dich dem Foto-Objekt anders nähern kannst und bringen dich so in deiner fotografischen Entwicklung weiter.


Festbrennweiten sind lichtstärker

Festbrennweiten haben im Vergleich zu Zoom-Objektiven in der Regel eine größere Anfangsöffnung. Sie sind also lichtstärker.

 

Hierdurch ergeben sich für deine Fotografie wiederum einige Vorteile. Zum Beispiel hilft dir ein lichtstarkes Objektiv dabei auch bei dunkleren Lichtverhältnissen verwacklungsfrei zu fotografieren. Denn durch die große Objektivöffnung kann mehr Licht auf den Sensor fallen und du kannst mit kürzeren Belichtungszeiten arbeiten - ideal in Situationen mit wenig Licht.

 

Es ergibt sich aber noch ein weiterer Vorteil durch eine große Anfangsöffnung: Sie erlaubt dir nämlich das bessere Freistellen deines Objektes. Durch die weite Blendenöffnung erhältst du eine sehr geringe Schärfentiefe. Und dies wiederum ist oftmals ein erwünschter Effekt.

 

Vergleiche zum besseren Verständnis die beiden Bilder, die ich einmal mit Blende F1.4 (Festbrennweite) und einer Blende F4.0 (typisches Kitobjektiv) gemacht habe.

 

Blende F1.4

Blende F4.0


Bessere Bildqualität

Zoom-Objektive müssen für eine Vielzahl von Brennweiten optimiert werden. Bei der Produktion einer Festbrennweite muss der Hersteller hingegen keine Kompromisse eingehen. Da es nur eine Brennweite gibt und somit weniger bewegliche Teile notwendig sind, kann das Objektiv präzise für diese Brennweite ausgerichtet werden.


Deswegen schneiden Zoom-Objektive oftmals bei Schärfe- und Kontrastvergleichen schlechter als Festbrennweiten ab. Fairerweise muss man natürlich dazu sagen, dass es auch knackscharfe Zoom-Objektive und flaue Festbrennweiten gibt - am Ende ist das alles eine Frage des Preises. Und hier haben Festbrennweiten in der Regel das bessere Preis-/Leistungsverhältnis.


Einschränkungen von Festbrennweiten

Natürlich möchte ich dir die Einschränkungen, die durch den Einsatz von Festbrennweiten entstehen, nicht vorenthalten.

 

  • Wie schon geschrieben, bietet dir ein Festbrennweiten-Objektiv exakt eine Brennweite. Du kannst also nicht eben mal bequem am Zoomring drehen um den Bildausschnitt zu verändern. Die Folge sind eine eingeschränkte Perspektive oder eben auch mal der Verzicht auf ein Bild.

 

  • Wenn du überwiegend mit Festbrennweiten fotografieren möchtest, kann die Abdeckung verschiedener Brennweitenbereiche ganz schön ins Geld gehen. Um den Brennweitenbereich eines normalen Zoom-Objektives einigermaßen abzudecken, benötigst du 2-3 Festbrennweiten.

 

  • Bei wechselnden Fotosituationen musst du mit Festbrennweiten wahrscheinlich öfter das Objektiv wechseln. Je nach Situation kann dir dadurch auch einmal ein Bild "durch die Lappen gehen".

 

Fazit und Kauftipp

Eine Festbrennweite wird deine fotografische Entwicklung mit Sicherheit vorantreiben. Du hast mit ihr Vorteile bei der Bildqualität und dem Spiel mit der Schärfe. Durch die Beschränkung auf eine feste Brennweite lernst du dich bewusster mit deinem Foto-Objekt auseinander zu setzen.

 

Mein Tipp für den Einstieg in die Welt der Festbrennweiten: Kaufe dir für den Anfang ein günstiges 50mm-Objektiv. Dies gibt es für viele Kameratypen schon für 100-150 Euro. So kannst du kostengünstig eine Festbrennweite erwerben und testen ob dir der Umgang mit so einem Objektiv liegt.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Andreas Altenhoff (Mittwoch, 13 Januar 2016 11:58)

    Einen sehr schönen Beitrag mit allen Vor- und Nachteilen einer Festbrennweite wird uns hier präsentiert.
    Ich selber zähle mein 50mm F1,7 zu meinem absoluten Lieblingsobjektiv, eigentlich ist es mittlerweile mein "Immerdrauf-Objektiv" geworden. Wer einmal das Spiel mit der Schärfentiefe gespielt hat ist der Festbrennweite verfallen.

    Gruß, Andreas

  • #2

    Michael (Mittwoch, 13 Januar 2016 12:54)

    Hallo Andreas,

    danke für deinen Kommentar. Ja, Offenblende kann definitiv süchtig machen :-)